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Aktueller Pressebericht Presseberichte (Archiv)

„Am wichtigsten ist es, den Menschen zu helfen!“

Der Mosbacher Friedensforscher Dr. Hans Günter Brauch erklärt im RNZ-Gespräch die politischen Hintergründe des Ukraine-Kriegs

Von Frank Heuß (© Rhein-Neckar-Zeitung, Mosbacher Ausgabe, 7. März 2023)

Mosbach/Cuernavaca. Mit dem Überfall russischer Truppen auf die Ukraine am 24. Februar begann ein Angriffskrieg mitten in Europa. Überall sind die Menschen in Sorge. Szenarien eines dritten Weltkrieges, gar unter Einsatz von Nuklearwaffen, verbreiten Schrecken. Die RNZ hat darüber mit Privatdozent Dr. Hans Günter Brauch gesprochen, der u. a. an den US-amerikanischen Eliteuniversitäten Harvard und Stanford tätig war und an der Freien Universität Berlin lehrte. Derzeit hält sich der aus Reichenbuch stammende Friedensforscher in Cuernavaca (Mexiko) auf.

> Herr Dr. Brauch, als russische Truppen rund um die ukrainische Grenze zusammengezogen wurden, kamen schon schlimme Befürchtungen auf. Haben Sie geahnt, dass es zum Angriff auf die ganze Ukraine kommen würde?
Nein. Ich hatte die Hoffnung, dass es zu keinem großen Krieg kommt. Die Truppenkonzentration konnte man schon seit Ende des Jahres 2021 sehen. Dass etwas „im Busch“ ist, war klar. Aber dass die Absicht besteht, die Souveränität der Ukraine komplett zu verletzen, davon ist, glaube ich, auch in der Nato kaum jemand ausgegangen. Ich habe gehofft, die Diplomatie könnte noch einiges abwenden. Sie ist gescheitert, weil die russische Führung das Angriffsziel bereits hatte, die gesamte Ukraine zu besetzen.

> Wladimir Putin ist bisher eher als rational denkender Politiker bekannt gewesen. Ein gebildeter Mensch, der strategisch und überlegt agiert. Wie passt das zu seinem jetzigen Handeln?
Ich bin kein „Putin-Kenner“. Ich kann insofern nur spekulieren und mir Gedanken machen mit Blick auf die letzten 30 Jahre, was in der Russlandpolitik des Westens schiefgelaufen ist.
Als sich 1989 das Ende des Warschauer Paktes abzeichnete, hatten wir auch in Mosbach zwei größere Tagungen. Im Dezember 1989 nahmen vier Vertreter der damaligen Sowjetunion teil, davon zwei aus dem Außenministerium. Wir hatten sehr intensive, vertrauliche Gespräche in meiner Bibliothek. Es waren auch führende Amerikaner da, sowie Botschafter und Militärs aus mehreren europäischen Ländern. Es saßen fast 20 Leute zusammen. Im November 1991 hatten wir die zweite Tagung, in der es u. a. um Rüstungskontrolle ging. Da war auch ein sowjetischer Delegationsleiter für bedeutsame Abrüstungsgespräche dabei. Es war ein sehr vertrauensvoller Dialog.

> Was ist in der Folge falsch gelaufen?
Wie man Russland langfristig in die europäische Sicherheitsordnung mit einbindet, darüber gab es keine langfristige Perspektive und meines Erachtens viele verpasste Gelegenheiten. Zwischen 1990 und etwa 1996 wurden mehrere Abrüstungsverträge geschlossen. Später wurden einige Verträge durch die USA aufgekündigt, um keine Beschränkungen bei den eigenen Rüstungen mehr zu haben. Das waren alles keine vertrauensbildenden Maßnahmen. Die Auswirkungen insbesondere der Trump-Administration in den USA auf Russland waren katastrophal. Die Nato-Osterweiterung fand zwischen 1999 und 2020 in Etappen statt. Putin wollte ja sogar selbst einmal in die Nato eintreten. Die Möglichkeit einer europäischen Freihandelszone von Lissabon bis Wladiwostok blieb ungenutzt. Viele Signale sind nicht aufgegriffen werden.

Presseberichte (2022)

„Am wichtigsten ist es, den Menschen zu helfen!“ -
Der Mosbacher Friedensforscher Dr. Hans Günter Brauch erklärt im RNZ-Gespräch

(Frank Heuß,
Rhein-Neckar-Zeitung, Mosbacher Ausgabe, 7. März 2022, S.3)

Presseberichte (2021)

Hans Günter Brauch Stiftung - Ein „Haus des Wissens“ soll entstehen
(Frank Heuß, Stadtanzeiger Mosbach,
9. 12. 2021, Nr. 49, S.2)

Schulen erhalten „geistige Nahrung“ der Wissenschaft
(Frank Heuß, Mosbacher Zeitung.de,
Online Zeitung, Kultur 11.12.2021).

Jetzt sind die Schüler am Zug
(Peter Lahr, RNZ, 6.12.2021, S. 4 )

Die Jugendlichen von heute gehen tiefer
(Peter Lahr, RNZ, 9.11.2021, S. 5)

Vom Buchbindersohn zum „Buchmacher
(Peter Lahr, RNZ, 17.8.2021)

Georg Nelius und der Landeanflug auf das Leben ohne Landtag (RNZ, Heiko Schattauer, 14.6.2021)

Hans Happes hilft aus Leidenschaft (Caspar Oesterreich
RNZ, 20./21.3.2021)

Nachruf zum Tod von Prof. Dr. Paul J. Crutzen
(RNZ, Mosbach, 29.1.2021)

Berichte im Internet (2021)

ISA Newsletter

IPRA Newsletter

Presseberichte (2020)

Verleihung des Bundesverdienst kreuzes an den Stifter
(RNZ, 13.7.2020)

Stadtanzeiger, (16.7.2020)

Pressearchiv (vor 2020)

2019 Vortrag vor dem Gemeinderat Mosbacher Politikwissenschaftler Hans Günter Brauch ist auf „Friedensmission" (Schattauer, RNZ, 12.2.2018)

Interview März 2019
Klimawandel: "Jeder sollte erkennen: Das geht mich auch was an" - Der Mosbacher Wissenschaftler und Friedensforscher Hans Günter Brauch über Klimawandel, Politik und Einsicht. (RNZ, Heiko Schattauer, 1.6.2021)

Video mit Prof. P.J. Crutzen zur Eintragung in das Goldene Buch der Stadt Mosbach

Klima-Wissenschaftler steht im Goldenen Buch von Mosbach

Chemische Kampfstoffe haben ihren Schrecken nicht verloren - Friedensforscher Dr. Hans-Günter Brauch referierte beim Verein KZ-Gedenkstätte über „100 Jahre Giftgas als Kriegswaffe“ (RNZ, 24.4.2015) und Vortrag

Sicherheit ist mehr als die Abwehr von Bedrohung (RNZ; Ursula Brinkmann, 31.10./1.11.2011) und Vortrag

 

Im Ukraine-Konflikt sieht der Mosbacher Friedensforscher Dr. Hans Günter Brauch nun vor allem „stille Diplomatie“ gefragt - und China in einer entscheidenden Rolle. Foto: Frank Heuß

> Sie haben viele Staatsmänner erlebt, die sich im Laufe ihrer Amtszeit verändert haben. Wie schätzen Sie die Widersprüchlichkeit ein, die Putin in seinem Auftreten momentan vermittelt?
Ich habe ihn nicht persönlich kennengelernt und bin kein Psychologe. Ich kann nur Veränderungen beobachten. Putin hat einen autoritären Staat geschaffen, der auf ihn zugeschnitten ist. Man sieht, dass es Etappen der Veränderung gab. Es begann 2008 mit dem Konflikt in Georgien, wo die Nato-Mitgliedschaft von einigen in Aussicht gestellt worden war, bis Russland eingriff. Ähnlich ist es in der Ukraine bei der Maidan-Revolution 2014 gewesen. Allen Nato-Staaten war aber klar, dass wenn die Ukraine Mitglied würde, ein Bündnisfall mit Pflicht zu militärischer Unterstützung entstehen könnte. Also haben damals viele gezögert. Man hat aber Hoffnungen geweckt, statt realistisch zu sagen, dass es das nicht geben wird. Eine EU-Mitgliedschaft wurde diskutiert, aber den „großen Brocken“, auch vom inneren Zustand der Ukraine her, traute sich die EU nicht zu.
Später kam der überstürzte Abzug aus Afghanistan. Das war ein Signal, wie Zusagen aus dem Westen zu interpretieren sind. Man hatte schon gesehen, wie die Krim annektiert wurde. Es war ein Völkerrechtsbruch von russischer Seite. Ein Präzedenzfall. Militärisches Eingreifen kam nicht in Frage, da es zu gefährlich gewesen wäre. Ob die Ukraine insgesamt nun ebenfalls zum russischen Staatsgebiet gemacht werden soll, weiß man noch nicht. Es waren aber alles kleine Signale, durch die in Moskau offenbar angenommen wurde, es kommen zwar ökonomische Sanktionen, aber nach einer Zeit wird alles so wie bisher. Glaubwürdigkeit ist hier jetzt gefragt.

> Wie vermuten Sie, dass der Konflikt sich weiter entwickeln wird, und wie sollte die westliche Politik handeln?
Das Wichtigste ist jetzt, den Menschen zu helfen! Da hat die Bundesregierung schnell reagiert, um eine humanitäre Katastrophe zu verhindern. Das Erste ist ein Waffenstillstand. Eine völlige Einstellung der Kampfhandlungen. Notwendig ist Vermittlung, vor allem „stille Diplomatie“. Putin hört nicht auf viele, wenn er überhaupt noch auf jemanden hört. Am ehesten eine Chance hätte China.

> Welche Rolle könnte China spielen? Steht zu befürchten, dass sich hier ein neuer Block bildet?
Der hat sich schon gebildet. Amerikas Administration hat bereits ein Hauptziel in der Eindämmung des Einflusses Chinas und Russlands definiert. Das hat dazu beigetragen, dass diese beiden sich noch näher sind. Russland ist Juniorpartner, China großer Wirtschaftsfaktor. Wegen China hat Russland vor den Sanktionen nicht so große Angst. China ist aber selbst gefährdet, wenn der Welthandel in eine schwere Krise gerät, was nicht auszuschließen ist. Der Westen würde das immens spüren, da viele Produkte ohne Zulieferung nicht hergestellt werden können. Chinas Verhalten war bisher ambivalent, im Sicherheitsrat und in der UNO- Vollversammlung hat man sich enthalten.

> Wie schätzen Sie die Gefahr eines „Flächenbrandes“, einer Konfrontation mit der Nato bis hin zum Nuklearkrieg ein?
Es fragt sich, was Putin noch zum Einlenken bewegen könnte. Zwingen lässt er sich nicht. Ich würde Altkanzlerin Angela Merkel als Sonderbotschafterin ins Gespräch bringen. Sie kennt alle Akteure, sie kann mit allen reden und kann deutlich machen, was Chinas Schweigen für die Zukunft von Wirtschaftsbeziehungen mit dem Westen bedeuten könnte. Das müsste in vertraulicher Diplomatie ohne Öffentlichkeit geschehen. Deutschland muss versuchen, wichtige Drähte, die zu den Konfliktparteien bestehen, zu nutzen. Wir brauchen in dieser Zeit ein Höchstmaß an Besonnenheit!
Ich glaube, dass Putin nicht völlig irrational ist. Die militärische Führung Russlands auch nicht. Von daher gehe ich davon aus, dass man die Gefahr einer Kettenreaktion sieht, die zu einem Nuklearkrieg führen könnte. Das wäre dann der Fall, wenn Nato-Gebiet angegriffen würde, was ich aber nicht glaube. Der direkte Draht zwischen Putin und US-Präsident Joe Biden wurde bereits aktiviert.

> Sind wir am 24. Februar wirklich „in einer neuen Welt“ aufgewacht, wie es Bundesaußenministerin Annalena Baerbock beschrieb?
Ja, wir sind in eine neue Welt gekommen. Ich war fast wie gelähmt, als ich hier im mexikanischen Fernsehen die Nachrichten sah. Ich habe ein laufendes Buchprojekt sofort gestoppt, weil sich die Rahmenbedingungen auf einen Schlag völlig verändert haben. Es ist eine weltweite „Megakrise“ entstanden. Wir haben auch noch eine ungelöste Pandemie. Und der neueste Sachstandsbericht der UN zum Klimawandel zeigt dramatische Ergebnisse. Der Hunger der Ärmsten wird weiter zunehmen. Russland und die Ukraine gehören zu den größten Weizen- und Maisexporteuren. Länder in Afrika, die schwere Dürren erleben, benötigen bald viel mehr Devisen, um das aufzufangen.

> Wie fühlen Sie sich selbst mit Blick auf die internationale Friedenspolitik, für die Sie über Jahrzehnte gearbeitet haben? Es wird ja jetzt wieder von Auf- statt von Abrüstung gesprochen ...
In meinem unterbrochenen Buchprojekt geht es darum, wie man ökologische Friedenspolitik gestalten kann. Der sicherheitspolitische Bereich wird jetzt darin auch wieder mehr einbezogen werden. Die Vielfalt der Herausforderung muss in breiter Perspektive einbezogen werden. Die Aufrüstung alleine wird die Probleme der Sicherheit in Europa und in der Welt nicht lösen. Die Wissenschaft muss viel stärker versuchen, ein Gesamtbild der Komplexität der Welt zu geben.
Es wird Jahre, Jahrzehnte dauern, Vertrauen wieder aufzubauen, das Putin total ruiniert hat. Wir brauchen aber weiterhin den Dialog, der vertrauensvoll sein muss, damit man ihn führen kann.

> Überall in Deutschland finden „Mahnwachen“ und Demonstrationen für den Frieden statt. Ergeben die Sinn?
Es ist immens wichtig. Alle demokratischen Parteien und deren Jugendorganisationen sollten hier Zusammenarbeiten. Es geht um den Frieden auf unserem Kontinent und auch in Deutschland. Man muss in so einer Situation zusammenhalten und es gibt eine große Hilfsbereitschaft für die Flüchtlinge. Das ist sehr, sehr wichtig, weil es unsere Betroffenheit zeigt. Wir dürfen nicht vergessen, dass im Zweiten Weltkrieg acht Millionen Ukrainer als Teil der Sowjetunion gestorben sind. Solidarität kann Vertrauen aufbauen, das wir dringend brauchen.

Hans Günter Brauch Stiftung – Ein „Haus des Wissens“ soll entstehen

Mosbach. (frh) In einem relativ „kleinen Haus mit großer Bibliothek“ konnte Privatdozent Dr. Hans Günter Brauch dieser Tage die Aktivitäten seiner Stiftung „für Frieden und Ökologie im Anthropozän“ vorstellen. Es ist sein eigenes Wohnhaus in der Alten Bergsteige, das später einmal zum Stiftungshaus werden soll. Um die 40.000 Bände umfasst die dortige private Bibliothek des hochdekorierten Politologen und Friedensforschers, der einst u.a. an den US-Eliteuniversitäten Harvard und Stanford lehrte.

Im Besprechungsraum seiner privaten Bibliothek empfing PD Dr. Hans Günter Brauch dieser Tage die Gäste zur Übergabe einer Buchspende seiner Stiftung
an Gymnasien im Landkreis. Foto: frh

„Global denken, lokal handeln“, hat Hans Günter Brauch zum zentralen Motto seiner Stiftung erklärt. Es gehe ihm darum, dass möglichst viel von seiner Arbeit als Politikwissenschaftler für die neuen Generationen erhalten bleibt und fortgeführt wird. Direkt in seinen Eingangsworten bezog er sich dabei auf die „Generation Greta“ – die Initiative „Fridays for Future“, deren Gesicht die Schwedin Greta Thunberg ist. Dass ihn der Einsatz so vieler junger Menschen weltweit für eine lebenswerte Zukunft und gegen den Klimawandel beeindruckt, daraus machte er keinen Hehl. Schließlich befasst sich der Friedensforscher, der im heutigen Mosbacher Stadtteil Reichenbuch geboren wurde, schon nahezu sein gesamtes berufliches Leben mit dem „von Menschen gemachten Klimawandel.“

„In diesem Raum hat sich Nobelpreisträger Paul Crutzen in das Goldene Buch der Stadt Mosbach eingetragen“, erinnerte er sich in dem Besprechungszimmer seiner Bibliothek. Es gehe letztlich darum, „geistige Nahrung“ für die jungen Menschen bereitzuhalten, damit sie den für ihre Zukunft grundlegenden Fragen mit wissenschaftlichem Fundament nachgehen können. „Eine Bibliothek stirbt, wenn keine neuen Bücher mehr kommen“, stellte Hans Günter Brauch darauf bezogen heraus. Eben deshalb wolle er die Stiftung noch zu seinen Lebzeiten so aufbauen, dass immer wieder neue Werke angeschafft werden können.

Politikwissenschaftliche Buchpakete im Wert von jeweils rund 750
Euro gingen an Gymnasien im Landkreis. Unter den begünstigten
Schulen sind auch das Auguste-Pattberg-Gymnasium in Neckarelz
und das Nicolaus-Kistner-Gymnasium in Mosbach. Foto: frh

 

Die ersten Schritte hin zu einem „Haus des Wissens“ sollen mit der Einführung von Schülerpreisen gemacht werden, die 2022 erstmals zur Vergabe vorgesehen sind. 2023 soll dann ein Wissenschaftspreis folgen. Dass Hans Günter Brauch trotz der Beschaulichkeit Mosbachs ein hohes Niveau anstrebt, wird in der geplanten Aufstellung einer internationalen Jury von ranghohen Akademikern deutlich.

Damit aber eben dieses fachliterarische Wissen auf aktuellem Stand auch in die Schulen selbst kommt und das Recherchieren ermöglicht, fördert die Brauch-Stiftung auch Schulbibliotheken. So konnten an das Auguste-Pattberg-Gymnasium (APG) in Neckarelz, an das Nicolaus-Kistner-Gymnasium (NKG) in Mosbach, das Burkhardt-Gymnasium in Buchen sowie das Ganztagesgymnasium in Osterburken umfangreiche Buchspenden im Wert von jeweils etwa 750 Euro übergeben werden.

Davon trug die Stiftung aus eigenen Mitteln je 200 Euro, die Restwerte kamen über die Autorenrabatte sowie „Verdoppelungen“ durch die Stadt Mosbach bzw. den Landkreis Neckar-Odenwald als Schulträger sowie dem Lions-Club Madonnenland zusammen. Für die Schulen im Stadtgebiet Mosbach waren die Schulleiter Dr. Thomas Pauer (APG) und Jochen Herkert (NKG) vor Ort gekommen.

„Von Beginn an fasziniert“ von dem Projekt bekannte sich Landrat Dr. Achim Brötel. Eine „Gewaltige Aufgabe“, liege aber dennoch vor der Stiftung, weil der Umfang von Bibliothek und Archiv des Stifters von so großem Umfang sei. Die Unterstützung für die Umsetzung der Pläne sagte auch Oberbürgermeister Michael Jann gerne zu, der ebenfalls von einer „logistischen Herausforderung“ sprach. Durch den Klimawandel werde es zur „Völkerwanderung“ kommen, zeigte Jann auf. Es zähle, „den Worten auch Taten folgen zu lassen“. Bernhard Bischof unterstrich als Vorsitzender des Lions-Clubs Madonnenland, dass man von der Idee überzeugt sei und sie gerne fördere.

Als Verbindungsmann zu den Schulen fungiert der frühere NKG-Schulleiter Hans Happes im Stiftungsvorstand. Er betonte, dass es unter Jugendlichen viel Interesse an politischen und den Klimaschutz betreffenden Themenfeldern gibt. „Sie machen sich Gedanken über ihre Zukunft und die ihrer noch nicht geborenen Kinder!“, betonte er. Die Aufgabe „den Überflieger Brauch zu erden“, sah der frühere Landtagsabgeordnete Georg Nelius bei sich verortet. Seit Sommer dieses Jahres berät er den Stiftungsvorstand und wird auch den Vorsitz eines im Aufbau befindlichen Kuratoriums übernehmen.

Vor dem Anwesen von Hans Günter Brauch in der Alten Bergsteige in Mosbach fanden sich die Gäste zur Übergabe der Buchspenden zusammen. Foto: frh

Die noch im Anfangsstadium befindliche Stiftungsarbeit hält Nelius für bereits „auf einem guten Weg“ befindlich. Und für Mosbach ergibt sich daraus eine außergewöhnliche Chance: Der in Fachkreisen weltweit bekannte Name des Stifters PD Dr. Hans Günter Brauch könnte es ermöglichen, dass die Große Kreisstadt im ländlichen Neckar-Odenwald als Standort auf der Landkarte der Politikwissenschaft bundesweit und sogar international auftaucht. Auf der englischsprachigen WebSite der Stiftung (erreichbar unter www.hgb-stiftung.org, das deutschsprachige Pendant unter www.hgb-stiftung ), die von Thomas Bast betreut wird, ist schon heute das Mosbacher Rathaus direkt neben dem UN-Hauptquartiert zu sehen. Eben ganz im Sinne des Mottos der Stiftung: „Global denken, lokal handeln!“

Aktuelle Presseerklärungen und Stellungnahmen
Presseerklärungen (Archiv)
  • Einladung zur Preisverleihung des ersten Schülerpreises der HGB-Stiftung 2022
  • Ausschreibung des ersten Wissenschaftspreises der HGB-Stiftung 2022
  • Einladung zur Preisverleihung des zweiten Schülerpreises der HGB-Stiftung 2023
  • Einladung zur Preisverleihung des ersten Wissenschaftspreises der HGB-Stiftung 2023

 

Deutschsprachige Vorträge
Englischsprachige Vorträge
Vorträge in spanischer Sprache
Neue Publikationen

 

 

 

Die Jugendlichen von heute gehen tiefer

Vier Schulen beteiligen sich am Zukunftspreis der „Hans-Günter-Brauch-Stiftung für Frieden und Ökologie im Anthropozän“

Mit einem erstmals ausgeschriebenen Schülerpreis will die Hans-Günter-Brauch-Stiftung die Jugend zum Nachdenken  über Nachhaltigkeit anregen. Mit dabei im Stiftungsboot sind neben Gründer Hans Günter Brauch (Mitte) Hans Happes (l.)  und Georg Nelius (r.). Foto: Peter Lahr

Von Peter Lahr (RNZ, Mosbacher Nachrichten, 9.11.2021, S. 5

Mosbach. „Mein Ziel ist es, die Sachen zusammenzudenken zu einer ökologischen Friedenspolitik. Denn die Schüler von heute stehen vor einer immensen Herausforderung“, bringt es Hans Günter Brauch auf den Punkt, worum es bei dem neuen Schülerpreis der nach ihm benannten und von ihm gegründeten „Stiftung für Frieden und Ökologie im Anthropozän“ (HGBS) geht.

Der umtriebige Mosbacher Publizist hat mit dem ehemaligen Mosbacher Schulleiter Hans Happes und dem ehemaligen Lehrer und Landtagsabgeordneten Georg Nelius zwei Experten ins Boot geholt, um den ersten Schülerpreis auf den Weg zu bringen. Erste Auftaktgespräche fanden bereits an vier Schulen in der Region statt. Nun werden Bücherlisten erstellt und nach der Übergabe der Buchgeschenke gehen die Jugendlichen an die Recherche. Denn bereits Mitte nächsten Jahres soll der erste Schülerpreis der HGBS vergeben werden. Ab 2023 soll dann ein weltweit ausgeschriebener Wissenschaftspreis das Portfolio der Stiftung abrunden. Hier wird Prof. Úrsula Oswald Spring aus Mexiko die Jury unterstützen. Über den aktuellen Stand der Dinge berichtete das Trio dieser Tage im Stiftungshaus.

Bewusst habe man auf den Tag genau 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs die Stiftung am 8. Mai 2020 gegründet, so Brauch: „Unsere Generation hat keinen Krieg erleben müssen.“ Allerdings haben Forscher wie der Nobelpreisträger Paul Crutzen mit der Entwicklung und den Abwürfen der Atombomben auch ein neues Zeitalter ausgerufen: Das Anthropozän (altgriechisch: anthropos: Mensch; kainos: neu) habe das Nacheiszeitalter Holozän (altgriechisch: holos: ganz; kainos: neu) abgelöst. Denn: „Erstmals kann der Mensch die (Um-)Welt zerstören. Damit ist der Mensch ein geologischer Faktor geworden. Indem er in die Atmosphäre eingriff, ist er auch in den Sedimenten nachweisbar.“

Ziel der Stiftung – und der beiden künftig regelmäßig auszurufenden Preise – soll es sein, Brücken zu einem nachhaltigen Leben und Wirtschaften zu entwickeln. Den Umbau unserer Industriegesellschaft unter dem Vorzeichen der Klimaneutralität, wie es der „European Green Deal“ vorsieht, werde die derzeitige Schülergeneration während ihrer Lebens- und Arbeitszeit hautnah erleben. Deshalb wolle die Stiftung mit dabei helfen, die Zukunftsfragen zu lösen.

„Die Schüler entscheiden selbst über ihre Themen. Sie haben mich überzeugt, denn sie sind sich der anstehenden Probleme vollkommen bewusst“, bricht Hans Happes eine Lanze für die Jugend. „Ich bin begeistert von den Schulbesuchen, auf unsere Jugendlichen lasse ich nichts kommen“, unterstreicht der ehemalige Schulleiter. An der ersten Auflage des Schülerwettbewerbs beteiligen sich das Burghardt-Gymnasium Buchen, das Auguste-Pattberg-Gymnasium und das Nicolaus-Kistner-Gymnasium Mosbach sowie das Ganztagsgymnasium Osterburken. Später soll der Wettbewerb durchaus auf eine breitere Basis gestellt werden.

„Jeder hat einen Plan. Die Schüler wollen tiefer gehen, nicht nur die Worthülse Klimawandel wiederholen“, beschreibt Happes seinen ersten Eindruck. Auch Hans Günter Brauch freut sich, dass die Schüler ihre Themen stark auf den Neckar-Odenwald-Kreis herunterbrechen. Ganz nach dem Motto: „Global denken, lokal handeln.“ Unterstützt von mehreren Sponsoren, werden im Dezember die Büchergeschenke übergeben. Bereits im Juni nächsten Jahres soll dann der Schülerpreis vergeben werden.

In der Form der Beiträge ist die Stiftung absolut offen. Ob ein Film, eine Reportage oder ein Video, auch ein klassischer Textbeitrag mit maximal 30 Seiten sei möglich. Einzelne oder Gruppen mit dem kreativsten Beitrag erwartet an jeder Schule ein mit 200 Euro dotierter Preis.

„Ich freue mich, dass auch ein Wissenschaftspreis in Mosbach vergeben wird“, betonte Georg Nelius. Es gehe dabei um existenzielle Themen, um die Zukunftsthemen der jungen Leute. Einem „Katastrophismus“ erteile man aber eine klare Absage: „Ich habe den Zukunftsoptimismus nach wie vor“, stellte Nelius klar. „Das Hauptziel besteht darin, Chancen auf Lösungen zu transportieren.“

Info: www.hgb-stiftung.de.

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