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© Rhein-Neckar Zeitung | Mosbacher Nachrichten | REGION MOSBACH, Montag, 6. Dezember 2021, Seite 4

Jetzt sind die Schüler am Zug

Hans Günter Brauch-Stiftung spendet vier Gymnasien Bücher im Wert von 3000 Euro - Schülerwettbewerb zum Thema Frieden und Ökologie

Zur Übergabe der Bücherpakete konnte Hans Günter Brauch (5.V.I.) neben den Schulleitern aus Mosbach, Buchen und
Osterburken auch Landrat Dr. Achim Brötel (7.V.I.), OB Michael Jann (8.V.I.), Hans Happes (r.), GeorgNelius (6.v.I. )und
Bernhard Bischof (4.v I.) begrüßen. Foto: Lahr

Von Peter Lahr

Mosbach. Es wirkte wie ein regionaler Schulkongress, als sich am Freitagvormittag gleich vier Schulleiterinnen und Schulleiter in der Bibliothek von Dr. Hans Günter Brauch trafen. Der Gründer der nach ihm benannten „Stiftung für Frieden und Ökologie im Anthropozän“ begrüßte zudem Landrat Dr. Achim Brötel, Mosbachs OB Michael Jann und Bernhard Bischof, den Vorsitzenden des Lions-Clubs Madonnenland. Als „Startschuss“ für den erstmals ausgelobten Schülerwettbewerb überreichte die Stiftung Bücher im Wert von 3000 Euro an die Gymnasien in Mosbach, Buchen und Osterburken. Nun sind die Schülerinnen und Schüler am Zug und können ihre selbst gewählten Themen rund um Nachhaltigkeit und Klimawandel bearbeiten.

„Wir möchten die Motivation der Jugend mit geistiger Nahrung fördern“, unterstrich Brauch und bedankte sich bei den unterschiedlichen Förderern des Projekts. War er ursprünglich von Bücherpaketen zu 200 Euro je Schule aus gegangen, so habe die Stadt Mosbach den Betrag verdoppelt. Weitere Förderer so - wie das Ausreizen seiner Autorenrabatte hätten schließlich zu den ansehnlichen Grundbeständen für die vier Schulbibliotheken geführt. Die Bücherpakete er füllten bereits individuelle Wünsche der angehenden Wettbewerbsteilnehmer. So beschäftige sich das Auguste-Pattberg-Gymnasium (APG) mit dem Kalten Krieg, während das Nicolaus-Kistner-Gymnasium (NKG) zum Thema „Biomasse“ recherchieren wolle.

Nach dem Motto „Global denken, lokal handeln“ sei nicht nur der Wettbewerb konzipiert. Vor Ort, nämlich in der 50 000 Bücher umfassenden Bibliothek, könnten die Schülerinnen und Schüler ebenfalls ab Frühling forschen. Zudem sei man derzeit dabei, ein Kuratorium aufzubauen, um gemeinsam die nächsten Schritte auf dem Weg zum Stiftungshaus zu konkretisieren. Brauch schwebt ein „Haus des Wissens“ vor, wie es bereits das „Buchener Modell“ 1920 vormachte. Damals, am Ende der Spanischen Grippe, erwarb die Stadt Buchen 2000 Bände zur Regionalgeschichte und erweiterte die „Gelehrtenbibliothek“ in der Zwischenzeit auf 10 000 Einheiten.

In den Kernthemen Frieden und Ökologie sah Landrat Brötel eine „immer lauter tickende Zeitbombe“. Die Bücherspende der Stiftung bilde die Vorstufe und „operative Mission“ für den 2022 startenden Schülerwettbewerb. Die wohl ambitionierteste Aufgabe bestehe darin, die riesige Bibliothek und das Archiv dauerhaft zu erhalten und zugänglich zu machen, wie es das „persönliche Lebensvermächtnis“ des Stifters vorsehe.

„Ich war von der Idee spontan begeistert und erschlagen von der Menge und der Qualität der Bücher und Zeitschriften“, erklärte Michael Jann. „Wir sind dabei, das Projekt zu unterstützten“, unterstrich der Rathauschef. Den Worten Taten folgen zu lassen, werde aber nicht zuletzt eine logistische Herausforderung. „Wir haben die Kinder und Jugendlichen in der Region im Fokus“, bekräftigte Bernhard Bischof. Der Lions-Club Madonnenland zähle 20 aktive Mitglieder zwischen Hardheim und Limbach und erwirtschafte mithilfe diverser Aktivitäten rund 50 000 Euro im Jahr. „Gerne unterstützen wir die Stiftung, denn das hier ist nachhaltig“, so Bischof.

„Ich habe Schüler und Lehrer gesehen, die von dem Thema infiziert sind“, beschrieb Hans Happes, ehemaliger Schulleiter des NKG und nun Kontaktmann der Stiftung, die gute Resonanz. Generell werde die Jugend in den Medien oft schlecht dargestellt: „Die wollen nicht nur feiern, die machen sich Gedanken über ihre Zukunft und die ihrer noch gar nicht geborenen Kinder.“

Dass sich die Stiftung noch in der Anfangsphase befinde, wusste Georg Nelius. Der ehemalige Landtagsabgeordnete und Lehrer möchte Schritt für Schritt die Basis verbreitern. „Heute ist der Tag der Schüler“, unterstrich Nelius, bevor Dr. Thomas Pauer (APG), Jochen Schwab (Burghardt-Gymnasium Buchen), Regina Krudewig-Bartel (Ganztagsschule Osterburken) und Jochen Herkert (NKG) die Buchspende entgegennahmen.

Info: www.hgb-stiftung.de

 

© Rhein-Neckar Zeitung | Mosbacher Nachrichten | REGION MOSBACH, Dienstag, 9. November 2021, Seite 5

Die Jugendlichen von heute gehen tiefer

Vier Schulen beteiligen sich am Zukunftspreis der „Hans-Günter-Brauch-Stiftung für Frieden und Ökologie im Anthropozän“

Mit einem erstmals ausgeschriebenen Schülerpreis will die Hans-Günter-Brauch-Stiftung die Jugend zum Nachdenken
über Nachhaltigkeit anregen. Mit dabei im Stiftungsboot sind neben Gründer Hans Günter Brauch (Mitte) Hans Happes (l.)
und Georg Nelius (r.). Foto: Peter Lahr

Von Peter Lahr

Mosbach. „Mein Ziel ist es, die Sachen zusammenzudenken zu einer ökologischen Friedenspolitik. Denn die Schüler von heute stehen vor einer immensen Herausforderung“, bringt es Hans Günter Brauch auf den Punkt, worum es bei dem neuen Schülerpreis der nach ihm benannten und von ihm gegründeten „Stiftung für Frieden und Ökologie im Anthropozän“ (HGBS) geht.

Der umtriebige Mosbacher Publizist hat mit dem ehemaligen Mosbacher Schulleiter Hans Happes und dem ehemaligen Lehrer und Landtagsabgeordneten Georg Nelius zwei Experten ins Boot geholt, um den ersten Schülerpreis auf den Weg zu bringen. Erste Auftaktgespräche fanden bereits an vier Schulen in der Region statt. Nun werden Bücherlisten erstellt und nach der Übergabe der Buchgeschenke gehen die Jugendlichen an die Recherche. Denn bereits Mitte nächsten Jahres soll der erste Schülerpreis der HGBS vergeben werden. Ab 2023 soll dann ein weltweit ausgeschriebener Wissenschaftspreis das Portfolio der Stiftung abrunden. Hier wird Prof. Úrsula Oswald Spring aus Mexiko die Jury unterstützen. Über den aktuellen Stand der Dinge berichtete das Trio dieser Tage im Stiftungshaus.

Bewusst habe man auf den Tag genau 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs die Stiftung am 8. Mai 2020 gegründet, so Brauch: „Unsere Generation hat keinen Krieg erleben müssen.“ Allerdings haben Forscher wie der Nobelpreisträger Paul Crutzen mit der Entwicklung und den Abwürfen der Atombomben auch ein neues Zeitalter ausgerufen: Das Anthropozän (altgriechisch: anthropos: Mensch; kainos: neu) habe das Nacheiszeitalter Holozän (altgriechisch: holos: ganz; kainos: neu) abgelöst. Denn: „Erstmals kann der Mensch die (Um-)Welt zerstören. Damit ist der Mensch ein geologischer Faktor geworden. Indem er in die Atmosphäre eingriff, ist er auch in den Sedimenten nachweisbar.“

Ziel der Stiftung – und der beiden künftig regelmäßig auszurufenden Preise – soll es sein, Brücken zu einem nachhaltigen Leben und Wirtschaften zu entwickeln. Den Umbau unserer Industriegesellschaft unter dem Vorzeichen der Klimaneutralität, wie es der „European Green Deal“ vorsieht, werde die derzeitige Schülergeneration während ihrer Lebens- und Arbeitszeit hautnah erleben. Deshalb wolle die Stiftung mit dabei helfen, die Zukunftsfragen zu lösen.

„Die Schüler entscheiden selbst über ihre Themen. Sie haben mich überzeugt, denn sie sind sich der anstehenden Probleme vollkommen bewusst“, bricht Hans Happes eine Lanze für die Jugend. „Ich bin begeistert von den Schulbesuchen, auf unsere Jugendlichen lasse ich nichts kommen“, unterstreicht der ehemalige Schulleiter. An der ersten Auflage des Schülerwettbewerbs beteiligen sich das Burghardt-Gymnasium Buchen, das Auguste-Pattberg-Gymnasium und das Nicolaus-Kistner-Gymnasium Mosbach sowie das Ganztagsgymnasium Osterburken. Später soll der Wettbewerb durchaus auf eine breitere Basis gestellt werden.

„Jeder hat einen Plan. Die Schüler wollen tiefer gehen, nicht nur die Worthülse Klimawandel wiederholen“, beschreibt Happes seinen ersten Eindruck. Auch Hans Günter Brauch freut sich, dass die Schüler ihre Themen stark auf den Neckar-Odenwald-Kreis herunterbrechen. Ganz nach dem Motto: „Global denken, lokal handeln.“ Unterstützt von mehreren Sponsoren, werden im Dezember die Büchergeschenke übergeben. Bereits im Juni nächsten Jahres soll dann der Schülerpreis vergeben werden.

In der Form der Beiträge ist die Stiftung absolut offen. Ob ein Film, eine Reportage oder ein Video, auch ein klassischer Textbeitrag mit maximal 30 Seiten sei möglich. Einzelne oder Gruppen mit dem kreativsten Beitrag erwartet an jeder Schule ein mit 200 Euro dotierter Preis.

„Ich freue mich, dass auch ein Wissenschaftspreis in Mosbach vergeben wird“, betonte Georg Nelius. Es gehe dabei um existenzielle Themen, um die Zukunftsthemen der jungen Leute. Einem „Katastrophismus“ erteile man aber eine klare Absage: „Ich habe den Zukunftsoptimismus nach wie vor“, stellte Nelius klar. „Das Hauptziel besteht darin, Chancen auf Lösungen zu transportieren.“

Info: www.hgb-stiftung.de.

  • 30.April.2022
    Letzter Abgabetermin für Gruppen- bzw. Abschlussarbeiten für den ersten Schülerpreiswettbewerb der HGBS an: HGBS-Schülerpreis@hgb-stiftung.de oder HGB-Stiftung, Alte Bergsteige 47, 74821 Mosbach.
  • 20. Mai 2022
    Bekanntgabe der Preisträgerinnen und Preisträger des ersten Schülerpreiswettbewerbs der HGB-Stiftung 2021/2022.
  • 1. Juni 2022
    Erste Verleihung der Schülerpreise der HGB-Stiftung (2022) für vier allgemeinbildende Gymnasien im Neckar-Odenwald-Kreis in der Alten Mälzerei in Mosbach.
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